Was lernt ein Therapiehund?
Ich arbeite mit Ihnen über den Körper an der Entlastung von Traumatisierungen und anderen psychischen Belastungen. Dabei stütze ich mich auf langjährige Berufserfahrung auf einer psychiatrischen Spezialstation für Traumafolgestörungen, in einem Ambulatorium für Essstörungen, auf psychiatrischen Akut- und Psychotherapiestationen sowie in der ambulanten Praxis. Ich verfüge über eine fundierte Ausbildung mit diversen Weiterbildungen und halte mich bei der Behandlung an offizielle Therapieleitlinien. Willkommen sind Jugendliche und Erwachsene aller Altersstufen. Die Zielsetzung und Ausrichtung eines Therapieprozesses lege ich gemeinsam mit den Menschen fest, die sich auf einen körperorientierten therapeutischen Weg begeben. Therapeutische Arbeit über den Körper lohnt sich, wenn Symptome der psychischen Belastung den Körper betreffen. Im Fall von Traumatisierungen gehört häufiges Stresserleben dazu. Aber auch Erinnerungen, die körperlich spürbar sind, können schwer belasten. Der Körper ist bei psychischen Schwierigkeiten immer beteiligt. So haben Emotionen eine körperliche Komponente wie etwa Erröten oder sich klein machen bei Scham oder Hitze und muskuläre Anspannung bei Wut.
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Was lernt ein Therapiehund?

Auf dem Weg zum Therapiehund

Der Australian Cobberdog Djalu wird am 1. September 2025 2 Jahre alt. Damit hat er das nötige Alter erreicht, um ein Therapiehunde-Training zu absolvieren. Er lernt jedoch nicht alleine. Wir werden den Weg als Mensch-Hund-Team gemeinsam gehen.

Zu den theoretischen Grundlagen der Arbeit mit einem Therapiehund gehören die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur tiergestützten Therapie sowie das Verständnis des Verhaltens eines Hundes gegenüber Menschen und Tieren. Im Zentrum steht auch Wissen, wie Hunde lernen und wie sie Stress verarbeiten. Das bedeutet Literaturstudium, ergänzt durch tägliches Beobachten. Üben und Erfahrungen sammeln prägen zudem die praktische Zusammenarbeit. Djalu und ich werden die Möglichkeiten, wie der Hund meine traumatherapeutische Arbeit unterstützen kann, gemeinsam erarbeiten. Ich lege Wert auf seine spontanen Interaktionen und greife diese auf, um sie auch in anderen Situationen nutzen zu können. Djalu’s soziale Fähigkeiten, seine Empfindsamkeit und seine Wirkung auf Menschen können die Selbstregulation, das Beziehungsverhalten und das Symptommanagement von traumatisierten Menschen positiv beeinflussen.

 

Eignungsmerkmale eines Therapiehundes

Nicht jeder Hund eignet sich zum Therapiehund. Djalu musste zeigen, dass er wichtige  Eigenschaften dafür mitbringt. Dazu gehört, dass er Freude hat am Kontakt mit Menschen und sich dennoch zurücknehmen kann. Das heisst zum Beispiel, dass er abwartet, wenn jemand den Praxisraum betritt und erst dann begrüsst, wenn der Mensch Kontakt zu ihm aufgenommen hat. Ebenso wichtig ist, dass er sich regulieren kann, wenn ihn etwas aufregt.

Djalu zeigt sich von Vielem unbeeindruckt. Als Stadthund kennt er Jogger, Velos, Roller, Katzen, Füchse, Mäuse, Vögel und sehr viele Menschen und Hunde. Macht ihm etwas Angst, schaut er zu mir oder kommt in meine Nähe. Spielen beruhigt ihn, aber auch kleine Intelligenzübungen wie «Leckerchen finden» helfen ihm, Aufregung zu überwinden.

Ganz wichtig für die Arbeit des Therapiehundes ist die Bindung an «seinen» Menschen. Daraus gewinnt er Sicherheit. Als junger Rüde schützt Djalu aber auch gerne. Es kommt durchaus vor, dass er bellt. Er spürt jetzt, dass er kräftig ist und probiert seine Dominanz aus. Ziel ist, dass er ein sicherer erwachsener Hund wird, der nicht dominieren muss.

Die Eignungsprüfung zum Therapiehund hat Djalu mit Bravour bestanden. Seine innere Sicherheit gesellt sich zu seinem kontaktfreudigen Wesen. Über seine Körperhaltung, die Intensität seiner Bewegungen und über seinen Blick zeigt er deutlich, was ihm gefällt, womit er vorsichtig ist und was ihm missfällt. Als Therapiehund muss er sich mitteilen können. So verständigen wir uns als Team. Als menschlicher Teil davon ist es meine Aufgabe, seine Stresszeichen zu lesen und ihm Grenzen zu setzen, wenn er mehr tun will, als ihm gut tut.

 

Tiergestützte Arbeit

Als Welpe durften Djalu mitmachen, wenn er von sich aus aktiv wurde. Mittlerweile wird er gezielt in das therapeutische Geschehen einbezogen. Dafür achte ich darauf, wie er sich verhält und biete Patient*innen manchmal Deutungen an.

Beispielsweise hat er sich einer Patientin angenähert, als diese Einsamkeit fühlte und mir das sagte. Djalu kam in diesem Moment aus seiner Box, in der er geschlafen hatte und legte sich einen guten Meter entfernt von der Frau hin. Ich fragte die Patientin, ob sie sich erklären könne, weshalb Djalu nicht wie sonst ganz nahe zu ihr käme. Sie antwortete, sie sei zwiespältig und habe Angst davor, in Trauer zu versinken, wenn sie im Kontakt mit ihrer tiefen Einsamkeit sein weiches Fell spüren würde. Die Angst vor der Überwältigung von Gefühlen und der Wunsch, nicht alleine zu sein, beschäftigte uns eine Weile, während Djalu langsam immer näher kam. Am Ende der Stunde lag die Patientin entspannt mit dem Hund in ihrer Armbeuge. Sie durfte sich mit ihrer Angst vor Gefühlen auseinandersetzen und diese schrittweise loslassen. So konnte sie einerseits erleben, wie einsam sie früher war und Mitgefühl mich sich als Kind entwickeln. Andererseits konnte sie erfahren, dass sie über die Einsamkeit ihrer Kindheit hinauswachsen konnte.

Nähe erleben zu können ist für Menschen mit traumatischen Erfahrungen wichtig und doch fast unmöglich. Sie haben erfahren, dass Menschen ihr Vertrauen ausgenutzt haben. Deshalb schützen sich viele, indem sie Nähe vermeiden. Damit ist jedoch ein wesentlicher Aspekt des Menschseins eingeschränkt. Als soziale Wesen brauchen Menschen Kontakt. Schreckliche Erfahrungen erzeugen den Wunsch, nie wieder schlecht behandelt zu werden. Das steht im Gegensatz zum Bedürfnis, sich im Kontakt mit jemand anderem aufgehoben zu fühlen.

Djalu tröstet und sucht manchmal körperliche Nähe, wenn ein Mensch innerlich aufgewühlt ist. So kann es durchaus zu Überraschungen kommen, die sich nicht planen lassen und einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Dies geschah bei einem Mann, der lieber keinen Hund in seiner Nähe haben wollte, aber dennoch die Anwesenheit des Therapiehundes wünschte. Djalu hatte über viele Stunden Abstand zu ihm gehalten. Der Mann nannte gute Gründe für seinen zwiespältigen Wunsch: In seiner nahen Umgebung gab es mehrere Hunde. Ein Hund hatte bei seinen traumatischen Erfahrungen aber auch eine Rolle gespielt. Nun wollte der Mann seine verständliche, tiefe Angst vor allen Hunden überwinden und einen unverkrampfteren Umgang mit Hunden erlernen, um sozialer zu werden, wie er es nannte. Das ist ein sehr sinnvolles Therapieziel. Aus fachlicher Sicht würde man es Triggerentlastung nennen.

In einer seiner wöchentlichen Therapiestunden fühlte der Mann, dass in ihm heftige Aggressionen schlummerten. Er spürte seine damit verbundene Körperkraft und ebenso seine innere Bereitschaft, einen blutigen Kampf zu kämpfen. Er erlebte gleichzeitig aber auch unendliche Scham und benannte, wie schrecklich er sich fühle, wenn wie jetzt, dieser plötzlich aufflammende Impuls spürbar werde, jemanden niederschlagen zu wollen. Djalu hatte die Entwicklung beobachtet. Obwohl er zu schlafen schien, hatte er das Geschehen im Blick. Während der Mann auf emotionaler und körperlicher Ebene wahrnahm und beschrieb, wie die Scham über die Aggression sich anfühlte, ging Djalu zum ersten Mal direkt auf ihn zu. Er lief zielgerichtet zu dem Mann hin. Ohne zu zögern legte er seine Schnauze auf das Knie des Mannes. Dieser streichelte Djalus Kopf ebenso frei von Zögern und sagte sichtlich bewegt: «Noch nie hat jemand mich gern gehabt, wenn «das» in mir aufgeflammt ist. Damit meinte er den heftigen Kampfimpuls in seinem Inneren».

Djalu und mein Patient begrüssen sich seither mit Respekt. Der Patient hat in dieser Stunde Mitgefühl für sich selbst gelernt. Er hat verstanden, dass er nicht böse ist, aber getrieben von der Kraft, sich zu wehren. Weitere Stunden im Umgang mit seinem traumainduzierten Kampfimpuls folgten. Die Entlastung des Triggers «Hund» steht noch aus. Diese Arbeit wird vermutlich eine Konfrontation mit der Erinnerung sein.

Literatur:
  • ESAAT, European Society for Animal Assisted Therpie: https://www.esaat.org/en
  • Levine P. (2022), Trauma und Gedächtnis – Die Spuren unserer Erinnerung in Körper und Gehirn, (4. Aufl.). München: Kösel-Verlag
Djalu ist ein ausgesprochen aufmerksamer Hund. Wenn er auch nicht versteht, was gesprochen wird, so spürt der doch sehr genau, was in der Luft liegt und wann die Atmosphäre sich ändert.
Djalu sucht die Nähe von Menschen im therapeutischen Setting, wenn sie traurig oder aufgewühlt sind. Er hilft, wenn jemand sich nicht gut spürt und unterstützt bei der Arbeit mit schwierigen Themen.
Auch Hunde müssen lernen, sich zu entspannen und nach Aufregung wieder zur Ruhe zu kommen.
Sein Blick und seine Körperhaltung sprechen eine deutliche Sprache. Djalu verbündet sich sehr gerne mit meinen Patient*innen, wenn ich ihm etwas verbiete ganz nach dem Motto: «Hast du gesehen, wie ungerecht das gerade ist?»
Manchmal ist mit dem Hund möglich, was mit einem Menschen (noch) nicht machbar scheint. z.B. sich gegenseitig liebkosen
Djalu liebt es, andere Hunde zu treffen, hier seine Freundin Namika, die ebenfalls als Therapiehund für traumatisierte Menschen im Einsatz ist.